23. Fuckparade, Berlin Germany 31.08.2019, Treffpunkt 14h Hermannstrasse

Am 31.8.2019 zieht zum 23. Mal die Fuckparade unter dem Motto „Nazifrei und Krach dabei“ durch Berlin. Die Route ging wie immer vorbei an bedrohten Berliner Räumen: Syndikat, Friedel54, Meuterei, RAW, Kili, Mainzer Strasse, Liebig 34, Rummelsbucht. Dabei gab es scheinbar neue Auflagen von der Versammlungsbehörde in Bezug auf die Lautstärke, max. 90db, angeblich wg. Lärmbelästigungsbeschwerden im Vorjahr.  Limiter und Anlagen wurden verblombt, ein paar Trucks hielten sich nicht an die Auflagen und wurden aus der Demonstration entfernt. Dies ist absurd, denn die laute (harte) Musik ist ja das Markenzeichen der Fuckparade. Und es ist auch kein gutes Zeichen: Der legitime Gebrauch von Musik als Teil und Mittel von Protestkultur wurde von der Fuckparade selber gerichtlich erstritten und scheint erneut gefährdet, wieder in Frage gestellt zu werden.

Außerdem kam mir zu Ohren, dass DJs, die auf Fupa Wagen spielen wollten, Geld dafür bezahlen mussten und zwar nicht zu wenig. Hier stellt sich die Frage, ob die Fupa nun den Weg der Loveparade einschlägt und seine ursprünglichen Ziele komplett vergessen hat? Aber auch intern gab es Uneinigkeiten. Scheinbar hatte jemand aus dem alten Orga Team oder eine ehemals an der Organisation beteiligte Einzelperson, gegen den Willen des neuen Orgateams das Profilbild des Facebook Accounts ausgetauscht. Daraufhin entbrannte eine Debatte auf FB, welche sich erneut – wie schon in den Jahren zuvor – immer wieder darum dreht, wofür die Fupa steht.

Hier ein Statement-Post dazu vom 29.8.: „Richtig. Dieses Statement kommt nicht von der aktuellen Orga. Nur zur Info weil sich hier alle von distanzieren. Und nein hier wird nix gelöscht ! Die Fuckparade war seit 1997 noch nie für Extremismus. Egal welche Richtung. Wir sind links und sozial eingestellt. Unsere immer wiederkehrenden Texte kennt nun schon jeder. Unsere Ziele gegen Ungerechtigkeit und soziales in jedem Sinne hat nichts mit Extremismus zu tun. Das einzige was extrem bei der Fuckparade ist, ist die MUSIK !!!“

Wo überhaupt zu „extremer Gewalt“ gegen irgendwen aufgerufen wurde bleibt unklar. Wer sich weiter damit beschäftigen mag, kann hier via Facebook über 100 Kommentare dazu lesen.

Den inhaltlichen Aufruf konnte man dann auf berlin-gegen-nazis.de finden, mit detailiierten Infos zu den bedrohten Räumen und Projekten:

„Informationen der Veranstalter_innen:

Die Fuckparade – das ist der Protest gegen eine Berliner Stadtpolitik, die Verdrängung von gewachsenen (Sub-)Kulturen zugunsten von Gewinnstreben und Prestigedenken nach sich zieht.

Wir tanzen heute auf der Straße, weil unsere Clubs, unsere alternative Musik- und Subkultur vernichtet wird. Finanzielle Interessen stellen sich über die gewachsenen Strukturen vor Ort. Immobilienspekulation – hemmungslos und unethisch. Das bedeutet, dass innerstädtische Kulturaktivitäten, Spielstätten und Kristallisationspunkte verdrängt werden. Und noch mehr gesichtslose Hotel- und Bürokomplexe, die häufig leer stehen.

Entlang der Route könnt Ihr Euch anschauen, was das im Einzelfall bedeutet:

Syndikat: Ende Legende? Nach 33 Jahren soll die Kiezkneipe verschwinden. Das ist nicht hinnehmbar. Der Kampf des Kollektivs äußert sich zur Zeit durch Verweigerung der Schlüsselübergabe und Weitermachen! Der Eigentümer hat den Betreiber*innen Ende 2018 gekündigt. Auf Gesprächsangebote seitens des Kollektivs gab es keine Rückmeldung.

Friedel54: Im Sommer 2017 ist der Kiezladen geräumt wurden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Polizei mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit bewusst Stimmung gegen Demonstrant*innen inszeniert. Der weithin bekannte Türknauf, der niemals Strom führte, wurde noch Stunden, ja Tage nach dieser Erkenntnis als „Lebensgefahr für unsere Kollegen“ dargestellt. Räumungen und Lügen – mehr ist von Politik und Polizei nicht zu erwarten.

Meuterei: Ende Mai 2019 verweigerte das Kneipenkollektiv die Aushändigung ihrer Schlüssel an den Eigentümer Nenadic. Trotz Interesse des Kollektives, die Räumlichkeiten zu kaufen, waren die zuletzt angebotenen 650.000 Euro für die unsanierte Gewerbenutzfläche inakzeptabel. Die Meuterei bleibt ein Ort des Austausches – ob mit oder ohne gültigem Mietvertrag! Das Kollektiv reiht sich solidarisch und entschlossen in den Kampf gegen Verdrängung ein. Es wird keine Beute mit der Meute geben!

RAW Gelände: 2015 hat die Kurth-Gruppe mehr als zwei Drittel des RAW-Geländes gekauft. Es ist abzusehen, dass der offene und lebendige Charakter des RAW nach und nach verschwinden wird. Selbst der Erhalt des Soziokulturellen L ist nicht gesichert. Die L-förmige Fläche beheimatet soziale Projekte, Bars, das Cassiopeia, den Kletterturm und die Skaterhalle. Die meisten Mietverträge laufen Ende 2019 aus. Die Mieter*innen können so weder planen noch nachhaltig investieren.

Liebig34: Ende 2018 ist der Pachtvertrag mit dem Immobilienspekulanten Padovicz, dem in Berlin mehr als 2.000 Objekte gehören, ausgelaufen. Jegliche Form von Kommunikation verlief ergebnislos. Auch der Bezirk und die Politik stellen sich einer Räumung nicht in den Weg. Im juristischen Schwebezustand bleiben der Liebig34 voraussichtlich noch ein paar Monate und dann wird das nächste emanzipatorische Projekt am Dorfplatz verschwinden. Eine weitere gewinnbringende Immobilie für den Spekulanten oder ein Schutzraum gegen die Zumutungen des Patriarchats und des Kapitalismus für die Bewohner*innen? Wir wissen auf welcher Seite wir stehen!

Mainzer Straße: Sag niemals nie – Die Räumung der Mainzer Straße im November 1990 verbunden mit einem der massivsten Polizeieinsätze, den die Stadt jemals gesehen hat, zeigte mehr als deutlich, wessen Interessen vom Senat vertreten werden. Daran hat sich bis heute und auch unter der neuen rot-rot-grünen Koalition nichts geändert. Warum denn auch? Schließlich war ja auch damals ein rot-grünes Bündnis im Amt.

Rummelsburger Bucht: Und schon wieder Padovicz. Auch hier mischt der Investor kräftig mit. Streletzki, Padovicz, Coral World Berlin, Investa Development und HOWOGE. Allen wollen etwas abhaben von den lukrativen Flächen mit Zugang zum Wasser und zum Bahnhof Ostkreuz. Ein feuchter Traum eines jeden Spekulanten – die Stadt als Beute. Der von der Lichtenberger BVV durchgewunkene Bebauungsplan bedeutet nun Zwangsräumungen, Bau von Luxuswohnungen und überflüssigem Erlebnisaquarium („Coral World“). Das Ganze zum Schluss noch als sozialverträgliche Umstrukturierung zu verkaufen, indem einige Wohnungen preisgebunden sind, ist mehr als geschmacklos.

Begleitend zu dieser Politik der Verwertung um jeden Preis kommen Verdrängungsprozesse von sozial schwachen Bevölkerungsgruppen durch eine Politik der Wohneigentumsförderung, die gleich auch noch die ohnehin zusammengeschrumpfte Anzahl an alternativen Wohn- und Lebensentwürfen eliminiert. Heute sind es keine besetzten Häuser, sondern Wohnprojekte mit legalem Mieterstatus, die den Kapitalmaximierungsinteressen zahlreicher Eigentümer im Wege sind. Durch falsche bzw. fadenscheinige Begründung der Eigentümer wird massiver Polizeieinsatz und die Verwendung horrender Summen aus Steuermitteln gerechtfertigt – mit dem Ergebnis, dass die so entmieteten Wohnungen wieder leer und ungenutzt auf die versprochenen Investitionen warten. Die Demonstration solidarisiert sich mit den von Verdrängung und Entmietung betroffenen bzw. bedrohten Haus- und Wohnprojekten. Sie fordert die Unterstützung pluralistischer Lebensentwürfe durch Politik und Behörden, eine lebendige Durchmischung der Kieze in Lebensform, Einkommensverhältnissen und sozialen Millieus. Sie fordert außerdem ein Umdenken in der Wohnungspolitik, die derzeit nicht zuletzt durch die Maxime einer Steigerung der Wohneigentumsquote auf eine ausnahmslose Verdrängung sozial schwacher Bevölkerungsschichten und alternativer Wohnformen aus der Innenstadt hinaus läuft.

Darum demonstrieren wir!
• Gegen die Kommerzialisierung des Techno
• Gegen die Schließung von Clubs, Bars und Kiezläden
• Gegen den Ausverkauf der Stadt
• Gegen Nazis

Rassistisches und sexistisches Gehabe vor, während oder nach der Fuckparade ist inakzeptabel. Nazis, Fachos, Hooligans, Populisten, religiöse Fundamentalisten und rechte Politikspinner sind auf der Fuckparade nicht willkommen. Passt auf Euch auf und sprecht bei Vorfällen andere um Euch herum oder die Wagenmacher*innen an. Antifa bleibt Handarbeit!“

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