Wiener Festwochen: Hyperreality – Festival for Club Culture 24.-26.5.2018

Das Festival im Festival geht in die zweite Runde. Nachdem ersten Testlauf im letzten Jahr und einer Flut von negativen Kritiken im Nachgang für die politische Neuausrichtung der Wiener Festwochen, so mussten die ehemaligen Performance/ Theater Ko-Kuratoren des neuen künstlerischen Leiters Zirhofer-Kin gehen, um die Wiener Harmonie zu gewährleisten, Hyperreality hingegen wurde geduldet und darf weitermachen.  Mehr Details zum Verlauf der letzten Festwochen hier:

Marlene Engel und Bernhard Staudinger dürfen weiter die Wiener Bedürfnisse in Sachen Club Musik ausloten. Aber mit weniger Budget und weniger Zeit. Statt vier nun nur noch drei Tage Hyperreality. Im seperaten Konzert Programm nun 3 Acts im Lineup, die nicht zeitglich zu anderen Konzerten stattfinden. Das ist grundsätzlich ok, da das Aufgebot des letzten Jahres die BesucherInnen chronisch zerissen hinterließ, da man nicht auf 3 Floors gleichzeitig sein konnte, was aber natürlich in der Natur des Festivals liegt: die Überforderung, das Meandern von Bühne zu Bühne. Trotzdem bin ich froh, dass es etwas abgespeckter in diesem Jahr stattfindet, wenngleich auch aus unschönen Gründen. Denn die Kürzungen, man spricht von insgesamt etwa 1 Million €uro, können getrost als Strafe oder Verwarnung für den neuen künstlerischen Leiter gedeutet werden. Mit dem weiterdeligieren von Macht & Möglichkeiten durch zahlreiche Co-Co-Kuratoren hat es sich auch erledigt soweit ich überblicken kann.

Hier der Pressetext zum diesjährigen Hyperreality:

„On three nights, the Wiener Festwochen will be featuring experimental electronic music in the context of global club cultures and opening up a space for projects situated at the interface between perfor mance, pop, and visual arts. The club as a place where society’s constraints and mechanisms are suspended – and where a new sort of society can be conceived and tested – is the overarching idea of HYPERREALITY’s programming. Expanding and breaking out of established structures is important to HYPERRALITY in terms of both content and form. And with the Zusammenbau and the Materialmagazin of F23, a former coffin factory, 2018 will see specially adapted spaces open their doors to this festival for club culture.“

Den Versuch das Programm bei all der Subentionierung günstiger zu gestalten, schließlich handelt es sich um eines der bestfinanzierten Festivals Österreichs – wenn nicht Europas, kann man als gescheitert gedeutet werden. So wurde nun der Abend zerissen und die Tickets für Konzerte können nun einzeln erworben werden (25€) das DJ Programm im Nachgang ebenfalls (15€), oder eben gleich der Tagespass für 40€. 120€ für 3 Tage (bei Erwerb an der Abendkasse plus 5€ jeweils) – dafür kann man einen CTM Pass für 10 Tage in Berlin erwerben. Hier könnte man von Ausschluss sprechen, denn wer ausser gut Verdienenden oder mit gut betuchten Familien im Hintergrund (denn es soll via Hyperreality ein jüngeres Publikum für die Festwochen gewonnen werden) kann sich dies leisten?? Teilhabe, worum es letztes Jahr noch ging, bleibt weit entfernt. Zumindest kann das Programm ab 23Uhr für 15-20€ erworben werden, was für die Meisten wohl erschwinglich ist und am 25.5. und 26.5. spielen dann fast schon wieder zuviele – jeweils 18 DJs / Acts im Materialmagazin auf 2 Floors, was ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ist, wenn man 50€ übrig hat, denn man braucht ja auch noch Getränke für die ganze Nacht.  Dafür ist der 1. Abend mit 3 Live Acts überschaubar und eine Einstimmung auf die kommende musikalische Flut.

Hier die Abende im Überblick:

Am 24.5.2018 werden Aisha Devi, Arca und Fauna präsentiert:

„The opening night of this year’s HYPERREALITY is devoted to new perspectives and experiments. It’s within the matrix of the pop world that the Venezuelan musician, producer, and singer Arca explores new ways in which to transgress limits. Following productions for Björk and Kanye West, Arca has succeeded in positioning himself as an electronic artist who is met with curiosity and astonishment worldwide. The Vienna-based Iranian musician Fauna, accompanied by an ensemble of live musicians, is presenting her new LP Infernum in a release show conceived specifically for Wiener Festwochen; visuals by AMEN will lend Fauna’s atmospheric, dystopian tracks a visual dimension. And Swiss-Nepalese artist Aïsha Devi will be introducing her new, vocals-focused album in an audio-visual show.“

http://www.festwochen.at/programm/detail/hyperreality-24-1/

Am 25.5.2018 spielen FAKA, Gaddafi Gals, Kelela im Zusammenbau und im Materialmagazin Ash B., Buddah, Byrell The Great, Cakes da Killa, Divoli S’vere, DJ Warzone, Electric Indigo, Gabber Eleganza, Gregg Evisu XL, JASSS, Karen Gwyer, Leggoh, LSDXOXO, Machine Woman, MikeQ, Nina Kraviz, Therese Terror, quest?onmarc. Hier der Pressetext zum Abend:

„Auch 2018 liegt ein wichtiger Fokus von HYPERREALITY auf dem Sichtbarmachen von Vertreter*innen musikalischer Strömungen diesseits des Mainstreams. In den 80er Jahren im New Yorker Gay-Underground groß geworden, besteht der Tanzstil Voguing auch heute noch, nach Jahren der Weiterentwicklung in der Community-stiftenden Organisationsform der „houses”, fort. Inzwischen dient er aber auch einer globalen Crowd queerer, nonkonformistischer Menschen als wichtiges Ausdrucksmittel. MikeQ, Label-Chef von Qween Beat Records, präsentiert als Vertreter der New Yorker Voguing Szene zusammen mit Tänzer*innen, MCs und DJs ein Label Showcase. Acts wie Nina Kraviz, Electric Indigo oder Gabber Eleganza spannen einen Bogen zwischen unterschiedlichster in Techno verwurzelter Clubmusik“.

http://www.festwochen.at/programm/detail/hyperreality-25-1/

Am 26.6.2018 präsentiert der Berliner Rapper Taktloss, den in Wien vermutlich kaum jemand kennt, sein lange angekündigtes Album in einer Inszenierung im Auftrag der Festwochen. Mit Verstärkung aus Wien von Jung an Tagen. Auch das Aufgebot im Materialmagazin wird dem Namen gerecht – hier kann man 3GGA, Born in Flamez , DJ Assault, DJ Haram, DJ Hauswein, DJ Lycox, Ebow, Farce, Flohio, Florentino, God Colony, Kablam, Meuko! Meuko!, Mina, Quay Dash, Sega Bodega & Shygirl, STILL, Tygapaw, Ziúr erleben.

„Wie prophezeit ist der Titel des vor 17 Jahren angekündigten Albums, das im Auftrag der Wiener Festwochen erstmals live aufgeführt wird. Taktloss hat für diesen Anlass ein Team aus Instrumentalist*innen und Visualist*innen versammelt und hält auch 20 Jahre nach Westberlin Maskulin dem poesie- und widerstandsbefreiten Teil der Rap-Szene einen Spiegel vor. Dunkel und packend sind die immersiven Stücke der Komponistin und Turntable-Künstlerin Shiva Feshareki, die zusammen mit dem Organisten Kit Downes erstmals in Österreich auftreten wird.“

http://www.festwochen.at/programm/detail/hyperreality-26-1/

 

Hier noch ein paar Empfehlungen über Hyperreality hinaus:

Deep Fridays, bei freiem Eintritt:

„On three Fridays in June ( 1 / 8 / 15 June) – the Wiener Festwochen are hosting long nights of performances, concerts, interventions and audiovisual art in the Gösserhallen. Starting at 10pm, these former industrial buildings on Laxenburger Straße will be the venue for a dense programme of artistic positions from a wide variety of genres.“

The 2nd Season – So Called & Friends, Puppentheater des Kanadischen Rappers:

http://www.festwochen.at/en/programme/detail/the-2nd-season/

So To Speak – Diskurs in Kooperation mit der Akademie der Künste:

http://www.festwochen.at/en/programme/detail/so-to-speak/

Pod Save Austria – Radiokunst in Kooperation mit Radio Orange:

http://www.festwochen.at/en/programme/detail/pod-save-austria/

Crowd – Performance „Das Berlin der 1990er Jahre – Techno, Punk und Love Parade – dient Gisèle Vienne ebenso als Inspiration wie zeitgenössische Clubkultur und archaische Riten. Im Sog der Tracks, eine Auswahl von Peter Rehberg, entfaltet sich im Zusammenspiel mit Licht und Bewegung die Magie eines Rave“.

http://www.festwochen.at/programm/detail/crowd/

Micro/ Macro by Ryoji Ikeda – Audio-Visual Art:

http://www.festwochen.at/en/programme/detail/micro-macro/

 

Etwas bizarr fand ich, dass die Festwochen einen Hoodie „Electric Indigo“ für ihr 20 Jahre female:pressure Engagement gewidmet haben. Limitierte Auflage von 120 Stück, die oberflächlich betrachtet sehr gut aussieht, besser als unsere „aus eile und prekären Verhaltnissen entstandenen 20 Jahre f:p Shirts . Also grundsätzlich mal einen gute Idee. Aber: in großen Buchstaben steht vorne „Susanne“ auf der Kapuze „Electric Indigo“, irgendwo hinten ganz klein unter vielen hangeschriebenen Texteschnipseln findet sich dann auch mal das Wort „female:pressure“. Aber darum geht es doch. Oder nicht? Und wir sind viele! Ist Techno nicht mal angetreten um den Personenkult in den Hintergrund zu verweisen? Geht es nicht um die Bewegung, Community und natürlich die Musik aller, die sich unter female:pressure versammeln?? Vielleicht gäbe es soetwas ohne Susanne nicht und die erlangten Fortschritte wären ohne sie nicht möglich gewesen, aber ohne die ganzen Frauen* und wunderbaren MitstreiterInnen* natürlich auch nicht. Verstehe ich nicht. Was ist da los?

Das gesamte Programm für 2018 findet ihr hier:

http://www.festwochen.at/programm/

 

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