Symposium: Hartgesotten hegemoniekritisch, Berlin 19.-21.01.2017

Gender Studies Symposium: Hartgesotten hegemoniekritisch

Zu Ehren von Gabriele Dietze und Dorothea Dornhof

Feministinnen in Ost und West haben im Kontext marxistischer Diskurse schon früh darauf hingewiesen,
dass Geschlecht keineswegs einen untergeordneten ‚Nebenwiderspruch‘ zum vermeintlichen
Hauptwiderspruch des Klassengegensatzes darstellt. Vielmehr seien soziale Ungleichheitsachsen
miteinander verwoben. Zuvor hatten PoC-Feministinnen auf den Zusammenhang von Sexismus
und Rassismus aufmerksam gemacht. Im Zuge der ersten und zweiten ‚Welle‘ des Feminismus
begannen feministische Künstler_innen und Aktivist_innen, transgressive Weiblichkeitsbilder
auf der Folie binärer Geschlechterbilder zu entwerfen: Figuren wie die hartgesottene Detektivin,
ermächtigende Monster oder kaltblütige Mörderinnen wurden zu notwendigen Gegenstrategien
von Dämonisierung, Pathologisierung, Abwertung und Ausblendung des Weiblichen. Die Gender
Studies haben Geschlecht als eine „wissensgenerierende und (wissens-)kritische Kategorie“
(Dietze/Hark 2006) in Bewegung definiert. Interventionen von Feministinnen of Color, postkolo-
niale Perspektiven und queere Kritiken wiederum haben die Einheitlichkeit der Kategorie
Geschlecht fundamental verunsichert. Sie machen für die Gender Studies die Notwendigkeit
deutlich, Allianzen mit weiteren macht- und herrschaftskritische Erkenntnisperspektiven zu
suchen, und fordern ein, die eigenen Ausschlüsse und Hegemonietendenzen zu reflektieren.
In diesem Zusammenhang spielen künstlerische Praktiken, kulturelle Artefakte und Ästhetiken
sowie Popkultur eine entscheidende Rolle für die Sichtbarmachung marginalisierter Positionen.
Dies erfordert eine (Selbst-)Kritik „okzidentaler (sexueller) Exzeptionalismen“ (Dietze),
die über Geschlechterverhältnisse funktionieren, um den eigenen Kontext als emanzipiert
darzustellen.
Ebenso wichtig ist eine kritische Reflexion der Kategorie Gender selbst und ihr intersektionales
Weiterdenken. Für die Dezentrierung von Macht und Wissen, auch über den akademischen
Elfenbeinturm hinaus, sind Kollaborationen und Solidaritäten, strategische Essentialismen,
Allianzen und Dialoge mit aktivistischen Kontexten und anderen Diskursen und Öffentlichkeiten
unerlässlich. Die Konferenz zu Ehren von Gabriele Dietze und Dorothea Dornhof thematisiert ein
breites Spektrum an Formen und Praktiken von und Perspektiven auf Gender,
in Verbindung mit Hegemonie(selbst)kritik. Mit besonderem Augenmerk auf die wachsenden
Ungleichheiten unter gegenwärtigen neoliberalen globalen Bedingungen und im Anschluss an
zentrale Aspekte der herausragenden Arbeit der beiden Genderforscherinnen nehmen die Beiträge
Genealogien, Konkurrenzen, Transformationen und innere Spannungen von Gender als
hegemoniekritische Kategorie in den Fokus.

ICI Berlin

13:30-14:00
Grußworte

Christoph Holzhey, Beate Binder, Christina von Braun

14:00-16:00
Panel I: Kompliz_innen / Kollaborationen

Claudia Brunner
Feminismus (un)kompliziert

Sabine Hark
Was ist Kritik? Über Dissidenz und Partizipation

Jana Husmann
Gender hegemonial – Chancen von Streitkultur

Moderation: Stefanie von Schnurbein

16:00-16:30
Pause
16:30-18:30
Panel II: Pop / Kultur

Lisa Kuppler
Hard-Boiled Woman Revisited – Jessica Jones im Marvel

Cinematic Universe

Julie Miess
All Tomorrow’s Monsters

Marietta Kesting
Goldene Zitronen – Race, Klasse und Gender in Beyoncés „Lemonade“

Moderation: Eva Boesenberg

18:30-18.45
Pause
18:45-19:45
Vortrag

Elahe Haschemi Yekani und Beatrice Michaelis
Partners in Crime. Von queerer Intersektionalität zu ethischem

Begehren

Moderation: Eveline Kilian

anschließend:

Empfang, Tingeltangel und Musik mit Julia Roth und Julie Miess

Freitag, 20.01.2017

Humboldt-Universität zu Berlin: Senatssaal

ab 9:00
Kaffee/Konferenzbüro
09:30-11:30
Panel III: Ästhetiken / Artefakte

Julia B. Köhne
Das schillernde Geschlecht des Genies. Geniologie um 1900

Bożena Chołuj
Kunst als Erinnerung und Provokation

Kathrin Peters
Fakten, Fantasien – Über Liebe reden

Moderation: Claudia Bruns

11:30-12:00
Pause
12:00-13:00
Grußwort

Volker Hess

Videobotschaften

Lisa Kuppler, Dorothea Löbbermann, Annette Schlichter, Kirsten Twelbeck,

Michael Wachholz
A Mad Tea-Party – Gaby Dietzes Doktorandenkolloquium erinnert sich

Moderation: Gabriele Jähnert

13:00-14:30
Mittagspause
14:30-16:30
Panel IV: Solidaritäten / Bewegungen

Nana Adusei-Poku
The God and the Italian Artist – Kanye West’s and Vanessa Beecroft’s

Collaboration

Karin Esders und Carsten Junker
Gaby Dietze in Bewegung

Alanna Lockward
Letters as Lifesavers. Redefining Solidarity Between Feminisms

Moderation: Ina Kerner

16:30-17:00
Pause
17:00-18:00
Panel V: Dämoninnen / Mörderinnen

Konstanze Hanitzsch
„Pure Vernunft darf niemals siegen“ – Hexerei, Magie und der

neue Materialismus

Kathleen Heft
Die Ossifizierung des Kindsmords

Moderation: Simon Strick

18:00-18:15
Pause
18:15-19:15
Talkrunde mit Gaby Dietze und Dorothea Dornhof

Moderation: Anson Koch-Rein

Anschließend

gemeinsames Abendessen

Samstag, 21.01.2017

Humboldt-Universität zu Berlin: Senatssaal

09:30-11:45
Panel VI: Interdependenzen / Dekolonialisierungen

Christina Petterson
Zwischen den Zeiten – Vom Bauernstand zum Witwenstand

Katharina Walgenbach
Antikategoriale Intersektionalitätsansätze

Manuela Boatcă
Interdependente Alternativen zum akademischen

Wahn- und Trübsinn –

Das Beispiel des Okzi-Döners

Moderation: Isabell Lorey

11:45-12:15
Pause
12:15-13:00
Lesung

Thea Dorn
Portrait der Wissenschaftlerin als Lektorin

13:00-14:00
Mittagspause
14:00-16:00
Panel VII: Feminismen / Hegemoniekritik

Andrea Maihofer
Säkularismus und feministische Hegemonie(selbst)kritik

Kirstin Mertlitsch
Queer-Intersektionale Lust am Denken.

Denken im Gefüge von Hegemonie

(selbst)Kritik und kreativer Neugier

Käthe von Bose
„Sie hatten alle sehr, sehr saubere Gesichter“ –

Vom Erforschen exklusiver Netzwerke

Moderation: Kerstin Palm

16:00
Farewell
Akademisch, Termine / , , .
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