Poesie für die letzten Tage – Dudley Perkins

Interview Bianca Ludewig | Foto Joao Canziani | Layout Georgee


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Declaime, das heißt vortragen oder auch gegen etwas wettern, und das passt für Dudley Perkins wirklich gut. auf seinem aktuellen Album „Expressions – 2012 a.u.“ wettert er gegen nichts geringeres als das Ende der Welt. Das tut er über wunderbaren Beats von Madlib, der für den Lead-Track zum Thema niemand geringeres als Kraftwerk sampelte, die Declaime in US-typischer Tradition noch nicht mal kennt. Declaime wettert auch gegen Pussys. „Pussy“ ist, anderen Leuten wehzutun, Gangsta-Rapper wie Regierungschefs sind gleichermaßen Pussys, da sie selbstverliebt am Arsch der Macht lecken, während die Welt den Bach runtergeht. Der einzige Gangsta-Shit ist und bleibt für Dudley Gott. Und während Peanut Butter Wolf Golf spielen geht, darf Dudley uns Dank seiner Finanzierung in gewohnt schräger Tonlage die letzten Jahre bis zum Untergang versüßen. Gerade kommt er erneut nach Deutschland, um charismatisch zu predigen und verirrte Hip-Hop-Schäfchen zusammen zu führen.

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BACKSPIN: Was meint, der Zusatz „2012 a.u.“ im Albumtitel?
DUDLEY PERKINS:
„2012 after us“ nach uns, denn 2012 ist bekannt als Datum für das Ende der Welt.
BACKSPIN: Das klingt vielversprechend … Was hat das Foto auf der Rückseite des Albums zu bedeuten? Wofür steht es?
DUDLEY:
Für eine Situation, die sich fast täglich in amerikanischen Familien abspielt, es geht um häusliche Gewalt. Familienmitglieder, die gegeneinander die Hand oder das Wort erheben. Schlichte häusliche Gewalt im Allgemeinen.
BACKSPIN: Es gibt auch ein Skit auf der Platte, das sich mit dem Thema beschäftigt, warum war es dir wichtig, das dabei zu haben? Und ist häusliche Gewalt wirklich ein Problem in den USA?
DUDLEY:
Ja, ein großes. Tagtäglich erheben Menschen ihre Hand gegen ihre eigene Familie. Aber Misshandlung findet auf vielen Ebenen statt, bis hin zur Polizei, die ins Familienleben von Menschen eindringt und sie dort in ihrer Privatsphäre misshandelt. Auch das sorgt dafür, dass Gewalt zuhause ein gewohnter Anblick wird. Wenn du einen Menschen anrührst, sollten immer positive Gefühle damit einhergehen, ohne das ist es eine schlimme Sache für alle Beteiligten. Aus diesem Grunde wollte ich unbedingt ein Statement darüber abgeben!
BACKSPIN: Ich habe bislang keine Songs dazu gehört, woran liegt es deiner Ansicht nach, dass das Thema so wenig Beachtung findet?
DUDLEY:
Es bringt kein Geld ein. Es ist nie profitabel, wenn man der Welt den Spiegel vorhält. Wenn es ein unangenehmes oder unvorteilhaftes Bild abgibt, dann möchte das in der Regel niemand sehen. Deshalb mache ich das, einer sollte es tun.
BACKSPIN: Bist du jemals direkter Zeuge von häuslicher Gewalt gewesen?
DUDLEY:
Ich bin damit aufgewachsen. Mein Stiefvater hat regelmäßig meine Mutter verprügelt und auch mal die Kinder. Und in meinem eigenen Zuhause war ich auch damit konfrontiert, da die Mutter meines Kindes einen Hang zu verbaler Gewalt hat. Und von der Polizei bin ich auch schon misshandelt worden. Ich kenne die Situation häuslicher Gewalt recht gut. Aber das Foto auf dem Album bildet nicht mein eigenes Leben ab, es geht um jedermanns Leben. Das ist das kreative Geschenk, das Gott mir gegeben hat. Ich rede da, wo andere schweigen.
BACKSPIN: Ist es Zufall, dass der Track „Separate Ways“ im Anschluss kommt? Eine mögliche Konsequenz von Gewalt?
DUDLEY:
„Separate Ways“ ist ein wahrer Song aus meinem Leben, und es hat sich einfach so ergeben. Aber in gewisser Weise ist es auch ein Hinweis, dass häusliche Gewalt das Ende jeder Beziehung bedeuten kann, ja sogar sollte.
BACKSPIN: Mit dem Track „The Last Stand“ führst du die Message deines letzten Albums konsequent weiter. Ist das Lied als Warnung oder als Prophezeiung zu sehen?
DUDLEY:
Dies ist keine Prophezeiung, es ist das, was jetzt passiert: Hunger, Rezession, Rassismus, Inzest, Mord, Krieg und so weiter.
BACKSPIN: Aber das gab es doch schon immer ?
DUDLEY:
Aber nicht in dem Ausmaß, in dem es jetzt gerade stattfindet. Heute haben unsere Taten viel extremere und globalere Auswirkungen. Wir – und damit meine ich alle – haben genau jetzt, in dieser Zeit, die Aufgabe zusammenzuhalten, wir sollten aufstehen und uns gerade machen, aber es ist nicht passiert. 2012 ist schon übermorgen, und wir stehen alles andere als aufrecht oder zusammen. Diese Zeit jetzt zählt am meisten. Wir müssen Nein sagen zu Gewalt und Krieg, nicht nur mit Worten, auch mit Taten.
BACKSPIN: Glaubst du wirklich, das könnte einen Weltuntergang verhindern?
DUDLEY:
Wenn wir es alle tun und auch wirklich meinen – ja!
BACKSPIN: Was ist die Idee hinter dem Album?
DUDLEY:
Die Welt zu retten, das ist die Mission! Es ist nur positive Energie auf diesem Album. Selbst „Separate Ways“ ist ein positiver Song, denn es geht um Wachstum, darum, aus Erfahrung zu lernen. Es gibt unendlich viele Wege über Gottes Liebe zu sprechen, das ist mein Thema.

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